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„Der beste Anwalt in Berlin!“

Wer ist der beste Anwalt in Berlin?

Kürzlich bedankte sich zum Beispiel ein Mandant bei mir mit den Worten: „Sie sind der beste Rechtsanwalt in Berlin!“ So etwas hört man natürlich gern, es wirkt aber auch immer irgendwie übertrieben. Gut, mehrere Verfahren konnten sehr zu seiner Zufriedenheit erledigt werden, so dass ich die große Erleichterung und Freude, die zu seiner Überschwänglichkeit führten, durchaus nachvollziehen konnte. Allerdings konnte ich dem mir aus den betreuten Verfahren bekannten Bundeszentralregisterauszug meines Mandanten entnehmen, dass er vorher noch nie Kontakt zumindest zur Strafjustiz hatte.

Dementsprechend erschien es mir ziemlich unwahrscheinlich, dass er einen Vergleichsmaßstab speziell für Rechtsanwälte im Bereich des Strafrechts hatte. Ich fragte ihn also: „Wie viele Strafverteidiger in Berlin kennen Sie denn schon?“ Antwort: „Eigentlich nur Sie.“

Aha. Das war dann doch ein kleiner Dämpfer, in Anbetracht der mir bekannten Informationen aber erwart- und damit verkraftbar. Zumal ich es selbst schon beobachten durfte, wie Kollegen von ihren Mandanten in den Himmel gelobt wurden: „Herr X, ich weiß, Sie können zaubern! Der Y hat Sie empfohlen!“ Bei diesem speziellen Kollegen, der diese Lobeshymne so entgegennahm als sei das wohl das Mindeste, was ihm zustehe, tat es mir dann allerdings wenig leid, dass das Ergebnis des Verfahrens nicht so recht zu den angeblichen Zauberkünsten passen wollte. Trotzdem brachten mich diese Lobpreisungen zu der Frage:

Wie findet man den besten Anwalt in Berlin für Strafrecht?

Einen guten Strafverteidiger (Mandanten nennen ihn auch gerne „Strafrechtsanwalt“)  zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn zum einen kennt man nicht immer Leute, die schon so regelmäßig mit dem Strafrecht zu tun hatten, dass sie sich auskennen. Und wenn man sie kennt, weiß man es meistens nicht. Was tun? Hier meine 5 Tipps, auf was man achten kann, wenn man einen guten Strafverteidiger – oder vielleicht sogar „den besten Anwalt in Berlin“ finden will (natürlich ist es kein Zufall, dass ich alle Kriterien erfülle):

  1. Überraschung: Es ist NICHT das dicke Auto, NICHT der Hermès-Gürtel und auch NICHT die dicke Uhr!

    Mandanten denken immer wieder, dass der teuer ausgestattete Anwalt ja wohl gut sein muss. Sie vergessen dabei, dass weder Auto noch Gürtel oder Uhr etwas über die Qualität des Anwalts aussagen. Sie belegen eher, wofür er das seinen Mandanten abgenommene Geld ausgibt – offenbar eher nicht für juristische Fachliteratur oder Fortbildungen, was daher erst einmal gegen eine besondere Qualität spricht.

  2. Speziell in Berlin: Es ist nicht der „Kudamm-Anwalt“
    Warum? Auch am Kudamm wird nur mit Wasser gekocht. Und manchmal ist es ziemlich dünner Tee, was dort produziert wird. Der alte Westen Berlins ist an manchen Stellen etwas träge geworden, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Und genau so ist es mit einigen der dort ansässigen Anwälte. In unserer Branche darf man inzwischen eher sagen: Wer etwas auf sich hält, lässt sich bewusst nicht am Kudamm nieder.

  3. SEHR WICHTIG: Macht der Anwalt das überhaupt, was ich brauche?

    Für den Otto Normalbürger ist Rechtsanwalt gleich Rechtsanwalt. Heißen ja alle so, müssen also alle alles können – oder? NEIN! Es machen auch nicht alle Angestellten das gleiche, nur weil sie alle Angestellte sind. Wer Familienrecht macht, kennt sich nicht unbedingt im Strafrecht aus. Wer Strafrecht macht, nicht unbedingt im Arbeitsrecht und so weiter. Die Anwältin, die die Scheidung super gemacht hat, ist sehr wahrscheinlich NICHT super, wenn man wegen Betäubungsmitteln in U-Haft gehen soll. Der Anwalt, der den Mietprozess gewonnen hat, ist sehr wahrscheinlich NICHT der beste, wenn man wegen Betrug bei der Polizei vorgeladen wurde.

  4. WICHTIG: Wie viele Rechtsgebiete / Tätigkeitsschwerpunkte / Spezialisierungen bietet der Anwalt an?

    Ja, ich google Kollegen – interessiert mich schließlich, was die so machen. Immer wieder finde ich dabei Anwälte, die Rechtsberatung zu quasi allem anbieten: Arbeitsrecht, Familienrecht, Erbrecht, Mietrecht, Verkehrsrecht, Vertragsrecht, Strafrecht.  Ich will nicht völlig ausschließen, dass man auch mal bei solch einem Kollegen Glück haben kann. Aber: Das Recht auf allen diesen Gebieten entwickelt sich beständig weiter. Jeden Tag ergehen neue höchstrichterliche Urteile. Gesetze ändern sich. Kurz: Will man sich wirklich auskennen, kann man nicht alles machen. Ich behaupte, dass sich kein einzelner Anwalt auf mehr als ZWEI Rechtsgebieten dauerhaft seriös als Experte bezeichnen kann.

  5. GUT: Ist der Anwalt Mitglied in Fachgesellschaften? Schreibt er Fachbeiträge?

    Die Kollegen, die es halbwegs ernst meinen, suchen in der Regel Gleichgesinnte zum Austausch. Das ist ein bißchen so wie beim Sport: Wer etwas mehr als einsames Laufengehen machen will, der sucht sich die passende Gruppe. Dafür bezahlt man dann eben einen Mitgliedsbeitrag, bekommt aber auch von der Gruppe etwas zurück: Rückmeldungen, Austausch darüber, wer wer ist oder was funktioniert und was nicht. Für „echte“ Strafverteidiger ist meiner Meinung nach mindestens die Mitgliedschaft in der örtlichen Strafverteidigervereinigung Pflicht. Wie gut, dass ich Mitglied der Vereinigung Berliner Strafverteidiger e.V.  bin.

    Daneben hat es eine gewisse Aussagekraft, wenn ein Anwalt Fachbeiträge veröffentlicht, vielleicht sogar in juristischen Fachzeitschriften. Das belegt, dass er ein tieferes Interesse an seinem Rechtsgebiet hat. Und so etwas kann nie schaden. Ich schreibe übrigens solche Beiträge, wenn ich dazu neben der Mandatsarbeit Zeit finde: https://anwalthof.de/veroeffentlichungen/. Außerdem bilde ich für das Kammergericht Referendare, also zukünftige Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter, im Strafrecht aus.

  6. EINFACHE HINWEISE: Erreichbarkeit

    a) Die Emailadresse

    aa) Hat der Anwalt eine eigene Email-Adresse (wie etwa bei mir ra-hof@anwalthof.de) oder unterhält er

    bb) seine geschäftliche Emailadresse bei einem der großen Anbieter (etwa: ra-xy@web.de)?

    Den Fall b) würde ich im Jahr 2017 als Anzeichen für einen entweder ganz alten oder eben nicht ganz professionellen Kollegen werten. Denn offensichtlich sind es ihm seine Mandanten nicht wert, ein paar Euro im Monat für eine sichere und vertrauliche Email zu bezahlen – oder er hat so wenige Mandanten, dass sich das nicht lohnt.

    b) Notruftelefon?

    Verhaftungen können zu jeder Tag- und Nachtzeit geschehen. Wenn Sie faire Polizisten erwischen, belehren die Sie auch über Ihr Recht, jederzeit einen Anwalt hinzuzuziehen. Es ist Samstagnacht, 3:20 Uhr. Und nun? Wen rufen Sie an? Ihren Hausanwalt für Arbeitsrecht (dazu siehe oben, Punkt 2)? Der hat blöderweise nur Bürozeiten von Montag bis Freitag. Aus diesem Grund hat jeder Strafverteidiger, der seinen Job ernst nimmt, eine Notrufnummer. Meine lautet 0176 / 6500 5883 .

    Übrigens: Wenn Sie verhaftet werden, nimmt man Ihnen Ihr Handy normalerweise ab. Nur eingespeicherte Nummern bringen daher wenig. Sie sollten auch auf keinen Fall auf das Angebot eingehen, dass der freundliche Polizeibeamte das Handy holt, Sie ihm den Entsperrcode sagen und er dann für Sie die gespeicherte Nummer heraussucht. Der ist in der Regel nämlich ziemlich neugierig und schaut sich gleich noch ein bisschen weiter in Ihrem Handy um. Daher: Lernen Sie wenigstens den Namen eines Strafverteidigers auswendig, wenn Sie schon vorher mit Problemen rechnen, damit Sie ihn im Telefonbuch finden. Besser natürlich noch mit auswendig gelernter Nummer.

Alles andere halte ich für zunächst vernachlässigenswert. Vielleicht eins noch: Der Anwalt sollte Ihnen vielleicht auch einmal widersprechen. Denn in der Regel haben Sie als Mandant fast immer wenigstens eine (gute) Idee, die sich aber rechtlich nicht umsetzen lässt. Dann müssen Sie sich darauf verlassen, dass Ihnen Ihr Anwalt abrät, selbst wenn das unangenehm ist. Es sind oft nicht die Ihre besten Freunde, die Ihnen immer zustimmen!

Und eins noch: Der beste Anwalt in Berlin oder anderswo ist garantiert nicht Ihr bester Freund!

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